Tausend, tausend Dank…

… an alle Beteiligten der gestrigen Demonstration, an alle die gekommen sind, um gegen Geschichtsrevisionismus und den Naziaufmarsch am 5. März in Chemnitz zu demonstrieren. Ein monsterriesiges Dankeschön geht an alle beteiligten Bands, DJs und Künstler_innen, Techniker_innen und Helfer_innen. Ihr seid wundervoll!

Es waren stressige und anstrengende Tage. Nur durch eine juristische Auseinandersetzung mit Polizei und Ordnungsbehörden konnten wir in Chemnitz grundgesetzlich verankerte Rechte für den Protest gegen Nazis zur Geltung bringen. Eins ist auch klar, diese Auseinandersetzung wird weitergehen müssen.
Durch unser Bündnis und dank Eurer Unterstützung und Entschlossenheit ist es uns erstmals gelungen, einen gesicherten Rahmen für lautstarken Protest zu schaffen, etwas, das uns in den Jahren zuvor fehlte, weil wir wenige und unzureichend vernetzt waren und weil wir uns nicht konsequent genug rechtlich gegen die autoritäre Innenpolitik im Freistaat Sachsen gewehrt haben. Mit ihrem brutalen Vorgehen im letzten Jahr hatte die Polizei ein Klima der Einschüchterung und Angst erzeugt, das nur in einer vielfältigen gesellschaftlichen Gegenbewegung verändert werden kann.

Mit knapp 2500 Menschen auf der Straße ab Hauptbahnhof ist eine verdammt große antifaschistische Demonstration gelungen, weitere 500 Menschen demonstrierten ab TU Reichenhainer Straße. Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Nazidemonstration größtenteils störungsfrei ihre geplante Route marschieren konnte und zwar nur wegen des massiven Polizeiaufgebots von 2000 Beamten, Kilometern an Gittern und Polizeifahrzeugen. Allerdings mussten sie sich einiges anhören!

Unser popkulturelles Konzept lädt in gewisser Weise leider dazu ein, unsere Demonstration in der öffentlichen Wahrnehmung als homogenen Teil des „Chemnitzer Friedentages“ misszuverstehen oder dies wissentlich falsch darzustellen, um unseren Erfolg zu vereinnahmen. Es gibt einen grundsätzlichen Dissens zur aktuellen Strategie der Bürgermeisterin, stilles Gedenken gegen Nazis zu setzen und mit ihrer Innenstadtaktion eine mögliche Blockade des Naziaufmarschs zu schwächen. Leider hat sich die Oberbürgermeisterin nach ihrem halbherzigen Blockadeversuch im letzten Jahr auf die Inszenierung eines symbolischen Events zurückgezogen.
Das symbolische und verkürzte Bekenntnis zu Frieden und Demokratie und gegen Nazis einmal im Jahr ist aber schlicht und einfach viel zu wenig. Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig ahnt es selbst. Das Anzünden von Kerzen wird der Situation eigentlich nicht gerecht. “Wenn wir für alle Juden Kerzen entzünden, die in den Konzentrationslagern, auf den Transporten oder in Zwangsarbeit gequält, vergast, ermordet wurden, müssten hier 6 Millionen Kerzen stehen”, so Ludwig gestern in ihrer Rede. Ein paar Sätze weiter verallgemeinert sie Hannah Arendts Worte zu Adolf Eichmann leichtsinnig für Kriege generell: “Wenn der Horror des Bösen zur Banalität verkommt.”
Warum begeben sich, statt historische Tatsachen zu verwischen, nicht am 27. Januar, dem Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, Tausende Menschen auf die Straße und gedenken den Opfern des mörderischsten Gesellschaftssystems der bürgerlichen Geschichte?

Angesichts unübersehbarer neuer Aktivitäten der Chemnitzer Naziszene im Schnittbereich zu Pop und Mode, der Eröffnung des x-ten Naziladens in dieser Stadt, diesmal im Innenstadtquartier Brühl, wird es in den nächsten Monaten wichtig sein, auch im Rahmen des Kulturbündnisses weiter Überlegungen anzustellen, wie sich im kulturellen Bereich in Chemnitz sinnvoll gegen Rassismus, Antisemitismus und Geschichtsrevisionismus verhalten werden kann.

Für diese bitter nötige Auseinandersetzung war die gestrige Demonstration eine entscheidende Wegmarke. Die Organisatoren machen einen dankbaren Knicks für all die charmanten musikalischen Beiträge!
Weiter geht’s, mit einem Ego wie Donkey Kong!





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